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Beiträge zur Geschichte der Stadt Lauta/ Niederlausitz und ihrer Ortsteile

Kategorie: Persönlichkeiten

Gemeindestab Torno – 20. August 1945

Dieses Bild erreichte mich in der vergangenen Woche aus dem Archiv der Ortschronik Leippe-Torno. Der Ortsvorsteher, Herr Löffler, wies mich darauf hin, dass das Bild den Gemeindestab Torno am 20. August 1945 zeige. Auffällig sind etwa die beiden Besatzungssoldaten, die den vermeintlichen Bürgermeister (vordere Reihe, sitzend in der Mitte ?) „einrahmen“.

In jedem Fall werden weitere Informationen zu dem Bild gesucht – sollten Sie also wissen, wer abgebildet ist oder in welchem Zusammenhang das Bild angefertigt wurde, dann wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich bei mir meldeten (vgl. Kontakt etc.).

Ihr Michael Peter Schadow

Gemeindestab Torno, August 1945 (Foto; Archiv Ortschronik Leippe-Torno)

Straßennamen von Lauta Nord (Gartenstadt) – Teil 2 (Dr. Gabriele Schluttig)

Von den 78 Straßen und Plätzen der Stadt Lauta (ohne Laubusch, Torno und Leippe) gehören 22 Straßen und Plätze nach Lauta Nord, in die Gartenstadt Lauta. Im zweiten Teil der Nachforschungen zu den Namensgebungen werden diese weiter in ihrer alphabetischen Reihenfolge betrachtet.

 

Karl-Marx-Straße

Diese Straße erhielt bei ihrer Einweihung, in Würdigung eines für den Aufbau des Aluminiumwerkes Verantwortlichen, den Namen „Dionstraße“.

Jacob Dion (persönliche Daten nicht bekannt) war Chefingenieur oder Oberingenieur aller vier Elektronwerke der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron AG. Er wirkte bei der Errichtung von Phosphat- und Leichtmetall-Produktionsstätten (Lautawerk) mit. Gemeinsam mit Dr. Pistor, Vorstandsmitglied der Chemischen Fabrik Griesheim, leitete er den Bau des Aluminiumwerkes. Nach beiden Männern wurden Straßen benannt.

In dieser Straße begann 1925 der Bau einer katholischen Kirche. Gegenüber der Kirche wurde ein Ledigenwohnheim für Angestellte errichtet. Seit 1948 wird dieses Gebäude als Alten- und Pflegeheim genutzt.

Lautawerk – Angestelltenheim (Foto; Archiv Dr. Gabriele Schluttig)

 

Lautawerk – Katholische Kirche (Foto; Archiv Dr. Gabriele Schluttig)

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»Kirche und Pfarrer haben versagt?« Über Pfarrer Kaebsch und das Ende des Zweiten Weltkrieges in Lauta-Dorf (Michael Peter Schadow)

I

Kürzlich fiel mir im Archiv des Evangelischen Pfarramtes Lauta-Dorf ein interessantes Dokument in die Hände: Es trägt den Titel »Bericht über den Einfall der Russen in Lauta im Jahre 1945«, umfasst 22 Schreibmaschinenseiten und wurde zwischen dem 8. und dem 13. Mai 1945 von Pfarrer Albert Kaebsch (1883-1945) verfasst. Hinzu kommen 5 Seiten »Nachträge zu vorstehendem Berichte«, wobei die Nachträge, das geht aus dem Text hervor, zwischen dem 20. Juli und dem 15. August 1945 angefertigt sein worden müssen.

In den zwei Texten ist von den Wirren des Kriegsendes die Rede. Es geht um Kriegsflüchtlinge, aus den östlichen Gebieten des Deutschen Reiches, es geht um Einquartierungen dieser Flüchtlinge und es geht natürlich auch um den Einzug der Roten Armee. Der Schauplatz des Geschehens ist nicht etwa die heutige Stadt Lauta, früher hätte man hier ohnehin »Lautawerk« gesagt, sondern das kleine Heidedorf Lauta, heute als Ortsteil »Lauta-Dorf« bekannt. Die Perspektive ist die des preußischen Landpastors.

Gewiss liegt uns mit dem Bericht des Pfarrers Kaebsch eine historische Quelle von hoher Authentizität vor. Am Ende seiner Ausführungen stellt Kaebsch eine einfache Frage, die indes zwar auf den singulären historischen Augenblick gemünzt ist, aber weit darüber hinaus weist. So fragt er: »Ob man auch diesmal wieder wie nach dem 1. Weltkriege sagen wird: Kirche und Pfarrer haben versagt?«

Pfarrer Albert Kaebsch (Foto: Archiv Pfarramt Lauta-Dorf)

Nun kann diese Frage hier nicht ohne Weiteres behandelt und beantwortet werden, da die Dinge sehr kompliziert liegen. Natürlich gab es während der Zeit des Nationalsozialismus und auch in Lautawerk die sogenannten »Deutschen Christen«, aber es gab eben auch die Bekennende Kirche, den christlichen Widerstand aus den Reihen der Evangelischen Kirche. Dabei seien stellvertretend Persönlichkeiten wie Martin Niemöller (1892-1984), Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) oder der auch in Lautawerk wirkende Fritz Müller (1889-1942) genannt.

Wie indes das individuelle Handeln des Pfarrers Kaebsch in Lauta-Dorf, einem kleinen Flecken an der Peripherie, in den Wirren der letzten Kriegstage zu beurteilen ist und ob er versagt hat – darüber ist sehr wohl eine Einschätzung möglich. Sein Bericht liefert hierfür den Stoff.

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Die DDR in der Retrospektive: Erinnerungen eines ehemaligen Lautawerker Pfarrers (Michael Peter Schadow)

Es ist wieder einmal Parteitag in der DDR, irgendwann in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Auf der Klement-Gottwald-Allee in Berlin-Weißensee, auch »Protokollstrecke« genannt, rollen schwere Volvo-Fahrzeuge auf dem Weg von Wandlitz nach Berlin. Die Bewohner der Protokollstrecke kennen diesen Anblick nur zu gut: Am Rande der Straße patrouillieren Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und die Fassaden der Häuser sind frisch gestrichen – allerdings nur bis zur ersten Etage. Denn bis dahin reicht der Blick der SED-Funktionäre und ausländischen Staatsgäste, die in ihren Volvos vorbeirollen. Selbst das in der DDR übliche Schlange-Stehen vor den Geschäften ist bei derartigem Verkehrsgeschehen verboten.

            Unweit der Protokollstrecke befindet sich die Stephanus-Stiftung, eine diakonische Einrichtung der evangelischen Kirche, die sich um alte, kranke und behinderte Menschen kümmert. Seit 1979 ist Pastor Werner Braune (geb. 1936) Leiter dieser Einrichtung. Braune ist damit bis auf den heutigen Tag ein prominenter Kirchenmann. Was allerdings nur Wenige wissen: Von 1963 bis 1970 war Werner Braune Pfarrer in Lautawerk. Über sein Leben und seine Erfahrungen in der DDR hat er, inzwischen im Ruhestand, ein 2009 im Wichern-Verlag (Berlin) erschienenes Buch geschrieben. Es trägt den bezeichnenden Titel »Abseits der Protokollstrecke«.

Das Buch besitzt zwei Ebenen. Während die erste Ebene an der Biografie Werner Braunes orientiert ist, geht die zweite Ebene in die historische Tiefe: Hier geht es um das Verhältnis von SED-Staat und evangelischer Kirche bzw. Diakonie und nicht zuletzt um die Frage nach dem Charakter des selbsternannten »Arbeiter- und Bauernstaates«.

Plakat zur Lesung von Werner Braune am 8. April 2017

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Aufsatz über Johann Carl Büttner erschienen (Michael Peter Schadow)

Im Jahre 1754 wird dem Pfarrer zu Lauta-Dorf, Johann Ehregott Büttner, ein Sohn geboren, welcher später als »Büttner, der Amerikaner« in die Regionalgeschichte eingehen soll. Denn Johann Carl Büttner (1754-1849), so sein Name, zieht es nach einer Ausbildung zum Chirurgen, die er in Kamenz erhält, hinaus in die Welt: So wandert der junge Pfarrersohn nicht nur quer durch Südosteuropa, bis Belgrad, sondern wagt zudem auch die abenteuerliche und gefährliche Reise nach Nordamerika.
Dort angekommen muss er zunächst als weißer Sklave arbeiten, um dann aktiv am Mitte der 1770er Jahre ausbrechenden amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilzunehmen. Während des Krieges wechselt Büttner mehrfach und unter Lebensgefahr die Seiten. Wie durch ein Wunder gelingt es ihm jedoch nach Kriegsende wieder in seine Heimat, Lauta, zurückzukehren.
Daheim angekommen – wir schreiben das Jahr 1784 – hat er noch einmal Gelegenheit, sich von seinem auf dem Sterbebett liegenden Vater zu verabschieden. Jahre später schreibt der Pfarrersohn aus Lauta – inzwischen als »Amtschirurgus« in Senftenberg tätig – unter dem Titel »Büttner, der Amerikaner« seine Lebensgeschichte nieder.

Über Büttners Geschichte ist nun ein Aufsatz von mir in der Schriftenreihe »Zwischen Großer Röder und Kleiner Spree« (Nr. 9) erschienen. Das Heft kostet 5 Euro und ist über das Museum der Westlausitz in Kamenz beziehbar.  Hier der Link.

Johann Carl Büttner aus Lauta-Dorf auf der Titelseite des aktuellen Heftes der „Röder“.

Literatur: Büttner, Johann C.: Büttner, der Amerikaner. Eine Selbstbiographie, 2. Aufl., Kamenz 1828.

Michael Peter Schadow

Historisches Fundstück: Predigt zur Einweihung der evangelischen Kirche Lautawerk, gelesen am vierten Advent 1924

Am vierten Advent 1924 wurde die evangelische Kirche in Lautawerk geweiht. Pfarrer Friedrich Müller (1889-1942) hielt zu diesem Anlass seine erste Predigt im neuen Gotteshaus.
Da dem Kirchenarchiv Lauta-Dorf nur eine (aus papiertechnischen Gründen) nicht leicht zu lesende Kopie vorliegt, diese Predigt aber wichtig ist, nicht nur als Einweihungspredigt, sondern aufgrund ihrer Aussagen, wurde sie für diesen Beitrag übertragen.

»Soll so unsere Kirche der Ort sein, da Gottes Ehre wohnt, dann wird sie unsere Gemeinde nicht nur räumlich in ihren Mauern vereinigen, sondern ihr ein Wahrzeichen innerster Zusammengehörigkeit werden.«

Das da von Anfang war,
das wir gehöret haben,
das wir gesehen haben mit unseren Augen,
das wir beschauet haben
und unsere Hände betastet haben
vom Wort des Lebens.
und das Leben ist erschienen
und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen
euch das Leben,
welches war bei dem Vater,
und ist uns erschienen:
Was wir gesehen und gehöret haben,
das verkündigen wir euch,
auf dass auch ihr mit uns Gemeinschaft habt;
und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater
und mit seinem Sohn Jesu Christo.
Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei!
(1.Joh. 1-4)

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Fritz Müller – erster Pfarrer der evangelischen Kirche in Lauta (Dr. Gabriele Schluttig)

Das Jahr 1917. In diesem Jahr begann die VAW (Vereinigte Aluminiumwerke AG) mit dem Aufbau eines Aluminium- und Kraftwerkes an einem Standort in der Lausitz, der den Namen „Lautawerk“ erhielt. Hier, mitten im Wald, sollte das größte europäische Aluminiumwerk entstehen, das, kriegsbedingt, die gesamte Herstellung vom Rohstoff Bauxit bis zum Reinmetall Aluminium als Ersatz für Kupfer leisten sollte.
Dazu wurden deutschlandweit Arbeitskräfte angeworben und neben dem Bau der Werksanlagen wurde es erforderlich, Unterbringungsmöglichkeiten für die Angestellten und Arbeiter zu schaffen. Dies bedeutete jedoch auch, den Bewohnern hinsichtlich ihrer Versorgung, ihrer schulischen und auch konfessionellen Bedürfnisse entgegenzukommen.

Am 21.5.1919 wurde Friedrich Müller als evangelischer Hilfsprediger nach Lautawerk entsandt.

Hermann Friedrich Wilhelm Müller wurde am 11.3.1889 in Berlin geboren. Bereits als Kind, nach einer lebensgefährlichen Erkrankung, fasste er den Entschluss, Pfarrer zu werden. Sein Studium der Evangelischen Theologie wurde durch den 1. Weltkrieg, an dem er als Heeressoldat teilnehmen musste, unterbrochen. Er schloss sein Predigerseminar in Naumburg am Queis (Ortschaft im heutigen Polen) ab und trat seine erste Pfarrstelle in Lautawerk an.

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Was erwartete ihn hier?

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Fragmente eines Lebens: die autobiografischen Erinnerungsbücher des Uwe Mahrholz – Teil 1 (Michael Peter Schadow)

Ein Mann springt auf einen fahrenden Güterzug. Behutsam hat er sich zuvor angenähert, denn der stählerne Koloss schiebt sich nur an ganz bestimmten Stellen langsam genug dafür durch die graue Landschaft. Außerdem sind da noch die Wächter, die Transportpolizisten, welche mit geladenen Waffen zur Sicherung der wertvollen Ladung postiert sind.
Als der Familienvater nach einem beherzten Sprung auf einer schmalen Plattform des Zuges steht, öffnet er vorsichtig die Ladeluke eines Waggons. Sofort rieselt und kullert es auf die Gleise – das schwarze Gold: frisch gepresste Kohlebriketts, direkt aus der Fabrik. Gekonnt verlässt der flinke Gast den Güterzug mit einem Sprung auf den Bahndamm. Nun kann es beginnen, das Kohlelesen.

Buchcover Uwe Mahrholz: Ich bin da! (Foto: M. P. Schadow, mit freundlicher Genehmigung von U. Mahrholz)

Buchcover Uwe Mahrholz: Ich bin da! (Foto: M. P. Schadow, mit freundlicher Genehmigung von U. Mahrholz)

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Friedrich (Fritz) Constantin aus Lauta (Dr. Gabriele Schluttig)

In vielen Städten und auch kleineren Orten werden Straßen nach Persönlichkeiten benannt, die entweder in diesem Ort geboren wurden oder im Verlauf ihres Lebens eine wichtige Rolle für diesen Ort spielten. Auch unsere Stadt Lauta hat eine Reihe von Straßen, deren Namen sich auf Personen beziehen, welche die Stadt auf diese Weise ehren will. Als Beispiel sei hier der „Constantinplatz“ genannt.

Straßenschild: der Constantinplatz in Lauta (Foto: Gabriele Schluttig)

Straßenschild: der Constantinplatz in Lauta (Foto: Dr. Gabriele Schluttig)

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