Kurzabriss der Geschichte Johannisthals (Sebastian Grosser)

von zeitenleser

Einführung

Der im Folgenden beschriebene Ortsteil Johannisthal ist ein naturräumliches Kleinod aus sanften Hügeln, Kiefern- sowie Birken- und Eichenbeständen im Nordwesten des Landkreises Bautzen an der Landesgrenze zu Brandenburg. Begrenzt wird es im Süden von Leippe, im Osten von Torno und im Westen/Nordwesten von den Tagebaurestlöchern Heide V und Heide VI. Johannisthal wird geologisch der Hohenbockaer Hochfläche zugeordnet und entstand während der zweiten Elstereiszeit, wobei die Gletscher hier intensive Aufstauchungen der tertiären Bodenschichten verursachten. Dadurch konnten Rohstoffe wie Ton, Glassand und Braunkohle in eine oberflächennahe und wirtschaftlich abbaubare Position gebracht werden.

Initiator der frühindustriellen Entwicklung im hiesigen Gebiet war Moritz Oskar von Zehmen, der 1844 die Familienanwartschaft des Rittergutes Weißig übernahm. Wie viele seiner gutsherrschaftlichen Zeitgenossen interessierte auch er sich für den Braunkohlebergbau, welcher sich damals im Aufschwung befand sowie einhergehend mit der Errichtung von Ziegeleien und Glashütten. Von Zehmen ließ erste Probebohrungen für Ton und Braunkohle im Raum Weißig durchführen, wobei die ersten Abbauversuche aber nicht von Erfolg gekrönt waren. Aus der Beobachtung der bergbaulichen Aktivitäten war ihm das Potenzial der Rohstoffnutzung in den umliegenden Stauchendmoränen dennoch bewusst, was sein Interesse ab 1860 auf das etwa 10 km nördlich gelegene Johannisthal lenkte. Ab 1781 sollte der sächsische Staat verpflichtend zur Förderung von Unternehmen beitragen, wodurch Holz aus den königlichen Forsten für die Glashütte und den Eisenhammer Bernsdorf bereitgestellt wurden. Um die Verpflichtung aufzuheben, wurde dem Rittergut Bernsdorf im Jahr 1863 Grund und Boden mit Forstfläche (2.931 Morgen) aus dem Staatsforst des heutigen Johannisthals übereignet. Etwa1865 kaufte von Zehmen vom Rittergut Bernsdorf eine Fläche von 1.500 Morgen ab. Ferner hält sich aber auch das Gerücht, er hätte die Fläche beim Kartenspiel erworben.

Namensherkunft

Laut Berichten zur Geschichte von Leippe-Torno soll die erste Erwähnung Johannisthals bereits im Jahr 1825 erfolgt sein, was auf eine unbeantwortete Frage in der historischen Forschung hindeutet. Wahrscheinlich erhielt die Ansiedlung ihren Namen nach der Tochter Johanna von Zehmen aus der ersten Ehe Oskar von Zehmens. Johanna wurde am 22.11.1842 geboren, weshalb die erste Erwähnung von 1825 nicht erklärlich ist. Die Bezeichnung Johannisthal wurde dann vermutlich 1864/65 eingeführt.

Ziegelei

Ab 1864 kann mit dem Bau einer Ziegelei und der Gewinnung von Braunkohle und Ton von einer Industrieansiedlung gesprochen werden. Die Braunkohle wurde dabei in drei Kleinsttagebauen im nahen Umfeld der Ziegelei abgebaut.

Abb. 1: Ehemaliger Braunkohletagebau "Am Kohlteich" (Bildquelle: Sebastian Grosser)

Abb. 1: Ehemaliger Braunkohletagebau „Am Kohlteich“ (Bildquelle: Sebastian Grosser)

 

Bereits 1887/88 wurde auf Karten der Königlich Preußischen Landesaufnahme von der „ehemaligen Ziegelei“ gesprochen. Die auf dem Gelände befindlichen und verfallenen Wohn- und Stallgebäude sind weiterhin in Privatbesitz. Daneben stehen auch noch eine Garage und eine Transformatorenstation als Überreste des ehemaligen Glassandabbaues.

 

Schäferei

Die Schafzucht hat in Leippe und Torno eine lange Tradition – so befindet sich im Wappen der ehemaligen Gemeinde Leippe-Torno ein Schäfer. Die Schäferei wurde vermutlich 1867 erbaut, auf einer Zeichnung vermerkte Wilhelmine Jakobaschk diese Jahreszahl, aber schon 1863 war Carl Dubean „Herrschaftlicher Schafmeister“ in Johannisthal. Das Gebäude diente als Stallung, Wohnung, Schankwirtschaft und von 1876-78 sogar als Schule. Im Jahr 1966 erfolgte der Abriss durch die damalige Gemeinde Leippe. Heutzutage finden sich noch einige alte Obstbäume auf dem Gelände, eventuell wurde es als Streuobstwiese genutzt.

Abb. 2: Gelände der ehemaligen Schäferei (Bildquelle: Sebastian Grosser)

Abb. 2: Gelände der ehemaligen Schäferei (Bildquelle: Sebastian Grosser)

 

 

Verwendete Literatur:

Ehrlich, Gisela u.a.: Leippe-Torno von den Anfängen bis zur Eingemeindung. Ein Geschichtsbuch, Bautzen 2013.

Gose, Anke: Eine Reise in die Geschichte der Gemeinde Leippe-Torno, Gemeindeverwaltung Leippe-Torno o.J.

Vulpius, Rainer: Zu den Anfängen des Braunkohlen- und Glassandabbaus im Zentralteil der Hohenbockaer Hochfläche und zur Existenz der Glashütte Johannisthal bei Leippe – ein Beitrag zur Geologie und Industriegeschichte, in: Veröffentlichungen des Museums der Westlausitz Kamenz (2006), H. 26, S. 21 – 88.

 

Sebastian Grosser