Die Stadt und Region Lauta – ein Überblick (Kathleen Häußer-Beciri)

von zeitenleser

Zur Einführung möchte ich einen kurzen Überblick über die Stadt und Region Lauta geben. Historische Besonderheiten sollen an dieser Stelle nicht detailliert beleuchtet werden – dazu wird es zukünftig zu verschiedenen Themen weitere Artikel geben. Da es nicht ausschließlich um Lauta gehen soll, sondern auch die Ortsteile Laubusch, Lauta-Dorf und Leippe-Torno in die Betrachtungen mit einbezogen werden, habe ich bewusst den Begriff „Region“ Lauta gewählt.

Während Territorien wie z.B. Gemeinden oder Landkreise im Allgemeinen mit bestimmten festgelegten politischen Grenzen der Verwaltungsgliederung assoziiert werden, ist eine Region freier und insbesondere auch weniger scharf eingegrenzt definierbar. Die Abgrenzung von Regionen  kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen. So lassen sich Gebiete zu homogenen Regionen zusammenfassen, welche einander in bestimmten Indikatoren (z.B. Geologie oder Klima) sehr ähnlich sind. Funktional lässt sich eine regionale Eingrenzung immer mit einer Intention verknüpfen, die einen bestimmten Aspekt in den Vordergrund stellt; naturräumlich-geographische, kulturhistorische, ökologische, soziale und/oder ökonomische Aspekte werden dabei unterschiedlich gewichtet und kombiniert.

Lauta und seine Ortsteile – gelegen an der nördlichen Grenze des Freistaates Sachsen im Landkreis Bautzen – befinden sich zugleich im Grenzbereich zwischen der Nieder- und der Oberlausitz. Dieses Gebiet ist eine durch die Stromerzeugung aus Braunkohle vom Menschen intensiv beeinflusste und veränderte Landschaft. Nach 1990 wurde die Region weitgehend deindustrialisiert, auch Lauta (ehemals „Lautawerk“) und Laubusch waren davon stark betroffen. Trotzdem hat die Braunkohleverstromung in der Niederlausitz noch immer wirtschaftliche Bedeutung. Es arbeiten in der Umgebung die 3 Kraftwerke Schwarze Pumpe, Boxberg und Jänschwalde. Seit den 2000er Jahren wird im Lausitzer Seenland zudem als sich neu entwickelnder Wirtschaftszweig immer mehr auf den Tourismus gesetzt. Auch Lauta wirbt für sich als das „Tor zum Lausitzer Seenland“.

Foto: Der Erikasee, nördlich von Lauta gelegen, ist die ehemalige Grube „Erika“. (Foto: K. Häußer-Beciri)

Foto: Der Erikasee, nördlich von Lauta gelegen, ist die ehemalige Grube „Erika“. (Foto: K. Häußer-Beciri)

Lauta wie wir es heute kennen, war vor 100 Jahren noch auf keiner Landkarte zu finden. Bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts existierte lediglich das Dorf Lauta mit damals ca. 570 Einwohnern. Das Dorf wurde bis 1952 zur Niederlausitz gerechnet und war somit die südlichste Ortschaft Brandenburgs, die sich sozusagen halbinselartig in die zu Sachsen gehörende Oberlausitz hinein erstreckte. Ab 1952 wurde Lauta dann dem Oberlausitzer Kreis Hoyerswerda zugeordnet. Der Name „Lauta“ stammt aus der wendischen Sprache und wird von „Luta“ hergeleitet, was so viel wie die Ansiedlung am Lindenbastlagerplatz bedeutet. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich die ersten Siedler – Sorben –  mit der Gewinnung von Bast und der Herstellung von Korbwaren beschäftigten. Die erste urkundliche Erwähnung Lautas stammt aus dem Jahre 1374, wobei sich die Schreibweise des Namens des Ortes im Laufe der Geschichte mehrmals veränderte (Luthe, Laute, Lauty oder Lute). Lauta blieb mehrere Jahrhunderte ein kleines, unbedeutendes Bauerndorf, in welchem sich das Handwerk kaum entwickelte. Die gravierendste  Veränderung für Lauta sollte schließlich die Umsetzung des „Hindenburg-Plans“ im 1. Weltkrieg (1914-1918) bringen, woraufhin eine Areal in der Nähe des Dorfes als künftiger Industriestandort ausgewählt wurde.

Daraufhin entstand ab 1917 das „Lautawerk“ – ein damals gigantisches Bauvorhaben, welches neben einer Aluminiumhütte auch ein eigenes Kraftwerk, eine Tonerdefabrik, ein Kalksteinwerk u.a. umfasste. Zeitgleich begann der Bau der Wohnsiedlung Lauta-Nord (die sog. „Gartenstadt Lauta“) und es folgten bis in die 1940er Jahre weitere Wohnsiedlungen rund um das Werksgelände. Da sich die Einwohnerzahl Lautas gegen Mitte der 1960er Jahre in Richtung der 10.000 bewegte, stellte die Gemeinde einen Antrag auf Verleihung des Stadtrechts, welchem stattgegeben wurde, so dass sich Lauta seit dem 1. Februar 1965 offiziell eine Stadt nennen darf.

Foto: Der um 1918/19 erbaute Wasserturm in Lauta-Nord ist mit das letzte Relikt des „Lautawerkes“ und steht unter Denkmalschutz. (Foto: K. Häußer-Beciri)

Foto: Der um 1918/19 erbaute Wasserturm in Lauta-Nord ist mit das letzte Relikt des „Lautawerkes“ und steht unter Denkmalschutz. (Foto: K. Häußer-Beciri)

 

Seit dem 1.1.2001 ist die ehemalige Bergarbeitergemeinde LAUBUSCH ein Ortsteil der Stadt Lauta. Laubusch liegt unmittelbar an der Bundesstraße 96. Der lang gestreckte Ort untergliedert sich in die Bereiche Siedlung, Bergmannsheimstätten und Kolonie und wird entlang der Hauptstraße, die durch den gesamten Ort führt, von bewaldeten Hochkippen gesäumt. Erstmals wird Laubusch 1401 urkundlich als „Lubasch“ erwähnt. Die Geschichte des Ortes wurde durch den Braunkohlenabbau bestimmt. 1940 musste durch den voranschreitenden Tagebau das alte Dorf abgerissen werden. Eine Gedenkstätte am früheren Dorfmittelpunkt erinnert an die Existenz des ehemaligen Dorfes Laubusch. Mit der Brikettfabrik entstand 1917 die Gartenstadt Erika durch den Architekten Ewald Kleffel. Später kamen Bergmannsheimstätten und die Siedlung dazu, die sich aber in Architektur und Anordnung der Häuser von der Gartenstadtsiedlung unterscheiden. Im Jahr 1962 war der Laubuscher Tagebau ausgekohlt und die Brikettfabrik musste mit Braunkohle aus anderen Tagebauen versorgt werden. Mit der politischen Wende begann auch in Laubusch der Niedergang der Industrie und 1993 wurde die Brikettproduktion eingestellt. Die einstigen Industrieanlagen wurden abgerissen.

In Lautas Süden schließt sich der zum 1.1.2007 eingemeindete Ortsteil LEIPPE-TORNO an. Dazu gehören Leippe (Ersterwähnung 1401), Torno und Johannisthal. Torno wird erstmals 1568 schriftlich als Vorwerk der Herrschaft Hoyerswerda genannt. Die Gemeinde Leippe erwarb dieses Vorwerk im Jahre 1740 und seit 1745 bilden beide Dörfer eine politische Einheit. Torno ist heute geprägt von Ein- und Zweifamilienhäusern. Teilweise trifft das auch für Leippe zu. Hier findet man aber auch gut erhaltene und sanierte 3-Seiten-Höfe. Johnannisthal – 1862 entstanden –  ist der jüngste Ort mit nur wenigen Bewohnern, jedoch einer erwähnenswerten frühindustriellen Vergangenheit. Hier siedelten sich Glasindustrie mit Braunkohlenabbau und einer Ziegelei an. Das in Johannisthal errichte Jagdschloß wurde 1986 wegen Baufälligkeit abgerissen. Eine Wanderung zu Fuß oder mit dem Rad führt nicht nur an ehemaligen Tagebauen, sanften Hügeln mit dem 173 m hohen Jungfernstein und seiner sagenumwobenen Geschichte vorbei, sondern vermittelt neben Ruhe und Entspannung auch viele Informationen über Pflanzen, Tiere und Bodenschätze. Der Tornoer Teich – ein Relikt des Glassandabbaus –  lädt im Sommer zu einem erfrischenden Bad ein. In den 1920er Jahren wurde an diesem Teich eine regelrechte Badeanstalt mit Sprungturm, Umkleidekabinen und Speisen- und Getränkeverkauf eingerichtet. Heute ist der Tornoer Teich noch immer ein beliebter Treffpunkt und zudem jährlich der Schauplatz des Dorffestes.

Für diesen Artikel verwendete Literatur:

Autorengruppe: Stadt Lautawerk. Vom Heidedorf zur Industriestadt, Bautzen 1997.

Autorengruppe: Laubusch. Leben und Arbeit im Wandel der Zeit, Laubusch 2000.

Ehrlich, Gisela u.a.: Leippe-Torno von den Anfängen bis zur Eingemeindung. Ein Geschichtsbuch, Bautzen 2013.

Art. „Region“, in: www.wikipedia.de (Zugriff 20.07.2016).

Waade, Waldemar: Historische Reminiszenzen anlässlich des 625. Jahrestages der Ersterwähnung von Lauta (1374), (=Festrede in der Dorfkirche zu Lauta am 17. Juni 1999), Ms. unv.

 

Kathleen Häußer-Beciri